Impressum
Erich Mühsam, Tagebücher
Eine Online-Edition von Chris Hirte und Conrad Piens.
Die gedruckte Ausgabe erscheint im Verbrecher Verlag Berlin.
Der Nachdruck und jede anderweitige, auch auszugsweise Verwertung dieser Edition bedarf der Zustimmung der Herausgeber und des Verbrecher Verlags.
Editionsplan
| Band 1 | Hefte 1, 5, 6 | 1910–1911 | Ende Juni 2011 | |||
| Band 2 | Hefte 7, 8, 9 | 1911–1912 | März 2012 | |||
| Band 3 | Hefte 10, 11, 12 | 1912–1914 | Herbst 2012 | |||
| Band 4 | Hefte 13, 14, 15 | 1915 | Frühjahr 2013 | |||
| Band 5 | Hefte 16, 17 | 1915–1916 | Herbst 2013 | |||
| Band 6 | Hefte 22, 23 | 1919 | Frühjahr 2014 | |||
| Band 7 | Hefte 24, 25 | 1919–1921 | Herbst 2014 | |||
| Band 8 | Hefte 26, 27 | 1921 | Frühjahr 2015 | |||
| Band 9 | Hefte 28, 29, 30 | 1921–1922 | Herbst 2015 | |||
| Band 10 | Hefte 31, 32 | 1922 | Frühjahr 2016 | |||
| Band 11 | Hefte 33, 34 | 1922 | Herbst 2016 | |||
| Band 12 | Hefte 35, 36 | 1922–1923 | Frühjahr 2017 | |||
| Band 13 | Hefte 37, 38 | 1923 | Herbst 2017 | |||
| Band 14 | Hefte 39, 40 | 1923–1924 | Frühjahr 2018 | |||
| Band 15 | Hefte 41, 42 | 1924 | Herbst 2018 |
Die Hefte 2–4 und 18–21 sind verschollen.
Bestellung
Die Buchausgabe kann direkt beim Verbrecher Verlag bestellt werden.
Dank
Wir danken der Erich-Mühsam-Gesellschaft Lübeck für die Bereitstellung des Textmaterials und allen,
die diese Edition mit ihrer Mitarbeit, mit Hinweisen und Kritik begleiten:
Marcus Dekiert, Ulrich Faure, Albrecht Götz von Olenhusen, Wolfgang Kamm, Sebastian Kötz, Peter Klingebiel, Josef Piovarcy, Bärbel Reetz, Helmut Schwarzer, Karl Jürgen Skrodzki, Reinhold Wex.
Fehlerkorrektur
Also ich will ehrlich sein, soweit ich es vonvor mir selbst nur kann, und ich will auch nicht vor einer Entblößung meiner Geschlechtlichkeit haltmachen.
Es ist eine Lithographie, auf der allegorisch die Kämpfe in Spanien mit Ferrer dargestellt sind. Künstlerisch nicht mehrsehr bedeutend, doch aber kräftig komponiert und hingestellt.
Abends Kegelbahn. Voll besetzt: Halbe, Roda Roda, Georg Queri, Meßthaler, Scharf, Anthes, Etzel, Wilm, Lahmeyer, BaarBaas, Stücklen, der Zeichner Schönpflug von der „Muskete “ als Gast, Jodocus Schmitz und ein Herr Brann oder so ähnlich, ein Freund Halbes.
Aber bei einem neuen Arzt war ich heut wieder: einem Dr. KleintjerKleintjes, Spezialisten für Harn- und Hautkrankheiten, der gleich um die Ecke Ludwigstrasse – Akademiestrasse wohnt.
Ein entzückendes frisches Mädel von der sympathischen Kitschigkeit der Lina Woiwode (die natürlich schöner ist) und der differenzierten Merkwürdigkeit der Tini SandersSenders (die natürlich ungeheuer viel häßlicher ist).
Im „Lapin agile“ ist der Sohn des péère Frédéric erschossen worden.
Da das Cabaret dort oben auf der butte in der Dalleszeit Johannes’ und mein ständiger Aufenthalt war, weckt mir das Ereignis allerlei merkwürdige Erlebnisse an den péère Frédéric, an die weißen Ratten, an den „Ratton“, den kleinen Maler, an Richmond Chandois, den famosen Charakterkerl, und an die ganze seltsame Pariser Bohême, die dort oben verkehrte.
Links die beiden Angeklagten, MoizesMojzes, ein dunkelhaariger Jude mit sehr intelligenten und energischen Zügen, der andre, ein gewisser Kowalschitsch, ein blöder Bauernlackl von total stupidem Ausdruck. Feierliche Verwarnung vor dem Meineid.
Links die beiden Angeklagten, Mojzes, ein dunkelhaariger Jude mit sehr intelligenten und energischen Zügen, der andre, ein gewisser KowalschitschKowatschitsch, ein blöder Bauernlackl von total stupidem Ausdruck. Feierliche Verwarnung vor dem Meineid.
Wir gingen in den „Simplizissimus“, wo ich ForcherForster Riessling bringen ließ und sie mit einem Wiener Schnitzel bewirtete.
Dort sprach mich EichingerElchinger an, der Theaterkritiker der M.N.N., den ich viele Monate lang nicht sah. Amüsant ist, daß grade heute im »Kain« (dessen Nr. . 11 mir vor einer Viertelstunde gebracht wurde) ein Theaterartikel steht, in dem ich die Referenten, speziell natürlich auch EichingerElchinger, wieder hart angreife.
Auch Herr Wild war da und bei ForcherForster Riesling bestatteten wir die Leiche unseres Schmerzenkindes.
Die WaidsmannslusterWaidmannsluster und Tante Rosel aus Graz waren gestern schon mit Glückwünschen da, heute nun alle meine Geschwister, außer Joëls.
Heut kam ein Brief von Grethe und Julius aus Lübeck. Die beiden größeren Jungen hatten mit drangeschrieben. Der älteste, Walther, hat nächste Woche „BarmitzwahBarmitzwoh“. Ich muß ihm was schenken, und werde wohl eine hübsche Lenau-Ausgabe billig zu erwerben suchen.
Er verspricht sich von dem Gefängnistagebuch keinen nennenswerten Absatz und der Rechtsanwalt Dr. GeierGeiss, ...
